Trainingsfreie Tage

von Prof. Martin Guggi

Trainingsfreie Tage, Tage an denen wir bewusst nicht aktiv trainieren oder vielleicht sogar gar nicht können weil uns eine Verletzung oder Krankheit zur Pause zwingt sind keine verloren Tage.

Immer wieder habe ich festgestellt, dass manche nach einer Verletzung scheinbar stärker zurück kommen als zuvor bzw. die trainingsfreie Zeit keinen Stop für die Weiterentwicklung bedeutet hat!

Doch wie kann das sein? Ein Körper der nicht trainiert kann sich doch nicht verbessern oder doch?

1. Pause bedeut nicht nichts tun: wenn der Körper ruht aber der Geist aktiv bleibt indem er sich neue Ziele steckt, Technik Videos studiert oder Wettkämpfe unter die Lupe nimmt – hilft dies unheimlich seinen Fokus zu erhalten, neu auszurichten oder zu schärfen. Wieder zurück kann man dort weitermachen wo man aufgehört hat, da man in der trainingsfreien Zeit das Ziel nicht aus den Augen verloren hat.

2. Diese Form der geistigen Aktivität ist nichts anderes als mentales Training. Experten auf diesen Gebiet gehen sogar soweit zu behaupten, dass der Körper bis zu einem bestimmten Bereich gar nicht unterscheiden kann ob er selbst aktiv ist oder nur mentale Impulse bekommt… Auf diesem Gebiet steckt bestimmt noch sehr viel Wissenswertes u bedarf intensiverer Beschäftigung.

3. Wir werden nicht besser wenn wir “nur” trainieren. Bewusste Pausen müssen gesetzt werden um den Körper und das Gehirn nach einer intensiven Einheit entfalten u das ganze verarbeiten zu lassen. Dabei kommt es aber darauf an wie wir den Körper Zeit geben! Aktive Erholung, Schlaf, Sauna, motivierende Lektüren oder Gespräche usw. sind sicherlich besser investierte Minuten als Fernsehen oder Computerspiele.

4. Für jeden Sportler ist Training in seiner Sportart vermutlich seine grosse Leidenschaft, doch auch nicht das Einzige was es in dessen Leben gibt. Familie, Freunde oder andere soziale Treffen werden oft vernachlässigt um sportliche Ziele zu erreichen. Trainingsfreie Tage bieten sich hier natürlich an. Mir persönlich ist es aber oft so gegangen, dass es mir an solchen Tagen sogar an Energie fehlt mich mit Freunden zu unterhalten oder einer spannenden Konversation zu folgen. 
Ein Training muss uns vieles abverlangen, muss uns fordern, doch wird mit dem richtigen Belastungsreiz es uns nicht zerstören, sondern nach kurzer Zeit Energie freisetzen. Training heisst nicht mir selbst soviel abzuverlangen bis ich mich übergeben muss, sondern einen Reiz zu setzen der mich fordert u dadurch der Körper stärker wird. 


Training, dass mich ständig überlastet führt zum Übertraining und nicht zum Aufbau.
Verlangt mein Körper also ständig nach Ruhe oder einer trainingsfreien Zeit sollte ich mir Gedanken über das Training machen. Vielleicht lässt sich ja daran etwas optimieren. Unsere Freunde u Familie haben es nicht verdient wenn wir nur dann mit ihnen Zeit verbringen wenn wir uns erholen u eigentlich keine Energie für sie zur Verfügung haben! Das Leben besteht aus mehr als nur Training u es wird die Zeit kommen wo wir froh sein werden mehr aufgebaut zu haben als nur einen athletischen Körper.

Training besteht aus mehr als der Zeit wo wir trainieren. Auch geplante Pausen, aktive Pausen sollten Teil eines Trainingsplans sein. Dabei heisst es nicht untätig zu sein. Jedoch sollten wir auch immer über genügend Kraft verfügen um auch anderen Aktivitäten bzw. sozialen Kontakten nachzugehen. 
Sich so fertig zu machen, dass man regelmäßig ein paar Tage Ruhe braucht, hat nichts mit aufbauendem, intelligentem Training zu tun sondern mit gezieltem Übertraining. Sich zu vernichten ist jedoch oft leichter als kontinuierlich aufzubauen.

Pausen, trainingsfreie Zeiten u Training gehören zusammen sowie Sonne u Regen. Erst wenn ich eine passende Symbiose finde werde ich kontinuierlich Fortschritte machen.