Gedanken zu den 5 sportmotorischen Fähigkeiten im BJJ

Von Prof. Martin Guggi

In der Trainingslehre sprechen wir von 5 sportmotorischen Fähigkeiten: Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Koordination. Die Basis von ihnen spielt die Koordination – ist diese durch technisches Training gegeben können die Techniken durch Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit effizienter und präziser ausgeführt werden.

In jedem Sport ist das Techniktraining Koordinationstraining. Beherrsche ich die Technik kann diese also durch Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit optimiert werden. Aber kein Konditionstraining kann meine Technik so sehr verbessern wie ein neues Detail – eine neue Feinheit in der Ausführung (Griff, Winkel usw.) Auch wenn Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit niemals ein Nachteil sind, wird sich mein Game trotzdem niemals auf ein neues Niveau gehoben, wenn ich stärker oder schneller werde. (Bin technisch gleich gut bzw. schlecht, aber zb. stärker. Ich kann meine Techniken dadurch besser durchsetzen aber nicht besser werden). Wirkliche Verbesserung gelingt nur wenn ich koordinativer werde!!! Alles andere ist Zusatz.

Im BJJ wird vermutlich jeder Trainier manchmal gefragt welche Submission die “Beste” ist. John Danaher hat sich deshalb auf 6 Submissionsysteme beschränkt, um bei denen technisch in die Tiefe zu gehen. (Armbar, Triangel, Back, Leglocks (Heel), Headlock, Kimura). Nach dem Grundsatz Qualität vor Quantität. Er spricht aber auch davon, dass die “Beste” Submission nicht einer dieser 6 ist, sondern PRESSURE.

Was ist also Pressure?
Top Position: Durch das Verwenden von verschiedenen Winkel können durch die unterschiedlichen Guardpasses (in der gleichen Gewichtsklasse) Druck auf den Gegner ausgeübt werden bis dieser koordinativ nicht mehr folgen kann und die Guard passiert wird. = Top Pressure! Die koordinative Guardpasstechnik wird aber wieder von Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit geschärft.

Bottom Position: Jede Guard ist darauf aufgebaut, dass ich zuerst das Gleichgewicht des Gegners breche bevor ich meinen Sweep oder Submission ansetzen kann. Gleichgewicht ist wiederum Teil der koordinativen Fähigkeiten. (Koordination = Balance/Gleichgewicht, Orientierung im Raum, Umstellungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Koopelungsfähigkeit, Rhythmus). Und wiederum wird zuerst die Koordination des Gegners überfordert, bevor ich zur Submission komme = Pressure.

Pressure kann also durch den Druck der Guardpasses (Top) bzw. durch das Kuzushi/Gleichgewichtsbrechen (Bottom) der Koordination aufgebaut werden. Je besser also unsere Koordination sprich Technik ist, desto “besser – technischer” bin ich! Es stimmt also auch, dass Pressure die beste Submission ist egal ob im MMA, BJJ oder NOGI/LutaLivre und die eigentliche Submission erst einen Folge des Druckes ist.

Als Reihenfolge fürs Training heisst das:
Koordination = Technik an erster Stelle. Verfeinerungen hören niemals auf und erst dann wird die Technik durch Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer oder Beweglichkeit verbessert.

“Taktik kann man in kurzer Zeit verbessern, wenn deine koordinativen (technischen) Fähigkeiten äußerst gut ausgebildet sind aber nicht umgekehrt!”