?!BJJ bei den Olympischen Spielen?!

Vor – und Nachteile
von Prof. Martin Guggi


BJJ bei den Olympischen Spielen?! Noch ist dies nicht umgesetzt worden, obwohl es viele Initiativen in diese Richtung gibt. Wir wissen, dass Ringen seit jeher ein Teil der Olympischen Spiele gewesen ist, nun aber vor dem Aus steht. Zu wenig Interesse und Nachwuchs lassen das IOC darüber nachdenken, Ringen aus den Sommerspielen zu streichen. Dies würde dem Brazilian Jiu Jitsu entgegenkommen, da statt dem Ringen dann das BJJ – in welcher Art auch immer (mit Kimono oder No Gi) ein Teil der olympischen Disziplinen werden könnte.
Für das internationale Ansehen und die mediale Aufmerksamkeit wäre dieser Schritt sehr zu begrüßen. Auch die Anerkennung der Athleten, welche momentan nur äußerst schwer vom BJJ leben können, würde sich zum Besseren wenden. Aber was heißt das noch für unsere Kampfkunst?

Schauen wir uns die Entwicklung eines Kampfsportes zu den Olympischen Spielen anhand des Judo an. 1964 war Judo das erste Mal bei den Olympischen Spielen in Tokio als Disziplin zu bewundern. Doch was ist aus dem Judo geworden? Ursprünglich war das Judo eine Kampfkunst, welche neben den Würfen auch den Bodenkampf, Schlagtechniken und Techniken für die Selbstverteidigung beinhaltete. Da olympische Kampfsportarten aber nicht wegen ihrer Effektivität ausgewählt werden, sondern vorwiegend wegen ihrer Zuseher Wirksamkeit, wurde das Judo auf Würfe und Ippons reduziert. Der Bodenkampf wird nahezu unterbunden, da die Zuseher diesen nicht nachvollziehen konnten. Wenn jedoch ein Athlet mit dem Rücken auf dem Boden ankommt oder 35 Sekunden am Rücken gehalten wird, ist es auch für nicht Judoathleten nachzuvollziehen wer gewonnen hat.

Man darf sich also die Frage stellen, wie das im BJJ nach den heutigen Regeln aussehen würde? Ist es für nicht geschulte Zuseher ersichtlich wer im BJJ gewinnt? Viele, denen ich einen BJJ Wettkampf zeige, um ihnen meine Sportart nahezubringen, verstehen nicht wie der untere gewinnen kann…. Ist also BJJ Zuseher freundlich? Die Antwort wurde uns bei den ADCC in China geliefert. 2013 fand der Abu Dhabi Combat Club – kurz ADCC in Beijing in China statt. Man kann sagen, dass dies das höchste NoGi Event ist, welches alle zwei Jahre stattfindet. Trotz dieser Tatsache, dass an diesem Turnier die weltbesten Grappler am Start stehen, welche nicht nur aus dem BJJ, sondern auch aus dem Judo, Ringen, Sambo und anderen Grapplingkünsten stammen, war die Zuseheranzahl äußerst bescheiden. Auf den online Videos der Finali waren zum Teil nicht mehr als 100 Leute auf den Zuseher Rängen zu sehen.

Warum zieht das BJJ nicht mehr Zuseher an? Vergleicht man das BJJ mit dem MMA, dann fällt auf, dass auch Nicht-MMA-Praktizierende die UFC Kämpfe und deren Athleten gerne mitverfolgen. Medial werden diese Kämpfe als „Kämpfe ohne Regeln“ vermarket. Auch wenn das nicht stimmt, da es mittlerweile mehr als 30 Regeln in der UFC gibt, ziehen diese Käfigkämpfe Publikum an. Submission only Events bis jetzt nicht. Bei BJJ Turnieren und Submission only Events sind die Zuseher meist auch Praktizierende der Kampfkunst. Somit bleibt das Interesse aber nur in den eigenen Reihen und kann nur wenig Kampfsportferne faszinieren.

Um das BJJ Zuseher freundlicher zu machen müssten die Regeln geändert werden, wie es bei Judo passiert ist. Das heißt aber, dass sich unsere Kampfkunst verändern würde – ja ich würde so weit gehen zu sagen sie würde verwässern. Wie am Beispiel des Judo erläutert sieht man, dass eine Kampfkunst nur noch so trainiert wird, wie es die Regeln des Sports erwünschen. Würden wir also die Regeln des BJJ ändern hätten wir zwar mehr Zuseher, aber es wäre nicht mehr das BJJ wie wir es heute kennen. Ich war immer sehr stolz darauf eine Kampfkunst zu trainieren, welche die Effektivität in den Vordergrund stellt (auch wenn man sich eingestehen muss, dass es kein Zuschauersport ist!). Auch im BJJ gibt es Regeln. Beinhebel und Heelhooks werden oft nicht zugelassen, aber gerade im ADCC ist alles erlaubt und selbst da gibt es kaum Zuseher!? Sind wir also bereit diesen Preis zu zahlen, um mehr mediale Bekanntheit zu erlangen?